Wie gehen Sie mit Unsicherheit um?
Finden Sie das spannend, aufregend?
Weckt es Kreativität und Tatendrang?
Oder macht es Ihnen Sorgen? Angst? Lähmt es Sie?
Vielleicht etwas von allem?
Ich kenne Unsicherheit aus meinem eigenen Leben, zum Beispiel in der beruflichen Laufbahn oder bei der Wohnungssuche. Manchmal sind es auch kleine Dinge wie die Urlaubsplanung, Terminfindungsschwierigkeiten oder die Frage, wie kalt das Wasser im Freibad wohl ist.
Letzte Woche durfte ich eine ganz großartige Erfahrung machen, die auch irgendwie mit Unsicherheit zu tun hatte, oder Unvorhersehbarkeit, und zwar in einer Performance auf dem Improvisationsfestival bei uns in Halle. Einen Abend lang zu improvisieren, gemeinsam mit einem lieben Kollegen und manchmal sogar noch zusammen mit dem Publikum, das war eine spannende und beglückende Erfahrung. Und ich musste die ganze Zeit mit ganz viel Unsicherheit umgehen.
Der Unterschied zu Unsicherheit im Beruf oder in einer privaten Beziehung ist vielleicht, was für Konsequenzen drohen, wenn wir etwas komplett falsch einschätzen. Bei so einer Performance gibt es immer Überraschungen, seltsame oder unangenehme Pausen, vielleicht Missverständnisse, vielleicht mag das Publikum den Abend nicht. Wenn wir aber in einer Beziehung immer wieder unsicher sind, stellen wir sie vielleicht grundsätzlich in Frage, vielleicht auch zu Recht. Wenn wir im Straßenverkehr ständig unsicher sind, welche Regeln gelten oder wie wir das Fahrzeug bedienen müssen, bringen wir uns und andere in Gefahr. Und grundsätzliche Unsicherheit im Beruf kann dazu führen, dass wir uns nicht gebraucht fühlen, nicht geschätzt, missverstanden, vielleiht auch frustriert, gestresst, übergangen, ungerecht behandelt.
Als akademisch junge Person musste ich auch über Jahre hinweg mit Unsicherheit umgehen und fand das wirklich schwierig. Dann hat mir geholfen, mich auf das zu konzentrieren, was ich einigermaßen verstehen und vielleicht sogar beeinflussen konnte. Damals lebte mein Mann noch und hat mir dabei geholfen, quasi einen Entscheidungsbaum zu machen:
Welche Szenarien können eintreten? Welche sind eher wahrscheinlich, und wie kann ich mich auf die einstellen? Gibt es einen Notfallplan, falls eine richtig schlechte Situation entsteht? Mir hat das sehr geholfen, um die Unsicherheit besser auszuhalten. Hilfreich war auch, zu unterscheiden zwischen tatsächlicher und gefühlter Unsicherheit, und manchmal gab es noch die Möglichkeit, aus der anderen Richtung zu gucken und mich zu fragen: Was ist denn recht sicher? Worauf oder auf wen kann ich mich verlassen?
Und dann ist da noch die Abenteuer-Perspektive. Im Beruf oder bei wichtigen zwischenmenschlichen Themen funktioniert die für mich nicht so gut, aber in anderen Situationen manchmal. Als würde ich in einen anderen Modus schalten, in dem die Unsicherheit plötzlich aufregend ist.
Ich weiß nicht, was passiert? Super, los geht’s!
Manche Menschen haben das als recht grundsätzliche Lebenseinstellung, die wittern in jeder Unsicherheit eine Chance zu einer positiven Veränderung und packen die Gelegenheit beim Schopf.
Bewundernswert, oder?
Wo sehen Sie sich auf diesem Spektrum?
