Diversität und Differenzierung im Fremdsprachenunterricht

Se présenter – Gender

Die konzipierte Stunde ist für eine 7. Klasse angedacht. Die Lerngruppe beginnt ihr erstes Lernjahr für die zweite Fremdsprache Französisch. In der Klasse befinden sich etwa 25 SuS, wobei das Verhältnis der zugeschriebenen Geschlechter relativ gleich verteilt.

Die Unterrichtsreihe beschäftigt sich mit dem Thema „moi et ma famille“ und zielt darauf ab am Ende der Reihe die eigene Person und Familie in Dialogform vorstellen zu können („se présenter“). In zwei vorausgegangenen Doppelstunden wurden bisher Begrüßungs- und kurze Vorstellungsphrasen gelernt. Beispielsweise: „Bonjour, je m’appelle … J’habite à Halle. J’ai 12/13 ans. J’aime le sport/la musique/la salade/le chocolate/ le pizza. Mon ami(e) c’est XY.“ Somit sind einige Vokabeln schon bekannt, mit denen die vorliegende Doppelstunde begonnen wird. Kompetenzschwerpunkt der Stunde bilden die sprachlichen Mittel, die Grammatik zum bestimmten Artikel. Obwohl dies im Vordergrund der Stunde steht, soll der Diversitätsaspekt Gender ebenfalls eingebunden werden.
Am Ende der Stunde sollen die Regeln der Anwendung der bestimmten Artikel bekannt und gefestigt sein.

Diversitätsaspekt Gender: inklusive Schriftsprache im Französischen

Für die Integration des Diversitätsaspekts Gender im FSU beschreiben König, Surkamp und Decke-Cornill (2015) vier mögliche Wege:

Der erste zielt auf die Diskursfähigkeit der SuS ab, die durch das Bereitstellen spezifischen Vokabulars in Gang gesetzt werden kann. „Ist der Grundwortschatz vorhanden, ermöglicht das Sprechen über Gender, also der Meta-Diskurs, die weitere Entwicklung sprachlich-kommunikativer Kompetenzen“ (König, Surkamp, Decke-Cornill, S. 5).

Der zweite Weg umfasst die Reflexion über die Fremdsprache. Diese bereitet die SuS darauf vor, „sich der gesellschaftlichen Bedeutung und Wirkung von Sprache bewusst zu werden […] und Überlegungen zu präzisem, inklusivem Sprachgebrauch anzustellen“ (ebd.).

Die dritte Möglichkeit benennt den Perspektivwechsel in Verbindung mit dem inter- und transkulturelle Lernen. „Der einzuübende Perspektivwechsel lässt sich auch auf die Kategorie ‚Geschlecht‘ beziehen.“ (ebd.) und schafft die Voraussetzung dafür, „dass die damit verbundenen Normen überhaupt erst als solche gesehen und reflektiert werden können.“ (ebd.)

Zuletzt wird das inhaltsorientierte Arbeiten erörtert. Da gerade in der Mittelstufe Vorgaben als Kompetenzen formuliert sind, „besteht inhaltlicher Freiraum für das Thema ‚Gender’“ (ebd.), womit beispielsweise durch passend ausgewählte Texte eine Auseinandersetzung mit Geschlechtervorstellungen initiiert werden kann. „So können genderorientierte Lesarten zB. bei Klassikern des Lektürekanons zu spannenden re-readings führen“ (ebd.).

Beschreibung der Stunde

Begonnen wird die Stunde mit einem Zuordnungsspiel an der Tafel. Bereits bekannter Wortschatz aus den letzten Sunden wird wiederholt, indem die SuS Vokabelkärtchen den passenden Bilder, welche sich schon an der Tafel befinden zugeordnet werden. Daraufhin wird gemeinsam verglichen und ggf. korregiert. Die Lehrperson fragt, ob den SuS etwas auffällt in der Anordnung an der Tafel. Es soll festgestellt werden, dass die Begriffe nach Geschlecht/dem bestimmten Artikel „le“/“la“ getrennt anbegracht sind. Nun soll induktiv herausgefunden werden, dass „les“ die Nomen im Plural begleitet und „l‘ “ Nomen mit Vokal oder stummen-h.
Daraufhin weißt die Lehrperson auf Besonderheiten hin, wie das Plural „s“ und die oft mit einem „-e“ gekennzeichnete weibliche Form von Nomen, wie in dem Beispiel „l’ami“ und „l’amie“.
Eine weitere Besonderheit, die zu einem kurzen Exkurs führen darf/soll ist das Phänomen der „maskulinen Sprache“. Am Beispiel einer Gruppe an Freundinnen oder Nachbarinnen, zu denen eine männliche Person kommt und die Gruppe grammatisch „männlich macht“, soll zu einem umstrittenen französischen Merksatz übergeleitet werden: „Le masculin l’emporte sur le féminin“

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An dieser Stelle sind die SuS eingeladen miteinander zu diskutieren und in einen aktuellen Diskurs Einblick zu erhalten. Dieser Teil ist, aufgrund des geringen Wortschatzes auf deutsch gehalten. Zur Anregung und zum Problematisieren stellt die Lehrperson Fragen an die Klasse zum beispielsweise: „Wie findet ihr das?“ ; „Denkt ihr das ist heute noch aktuell?“; „Könnt ihr euch vorstellen, dass es alternative Formen im geschriebenem Französisch gibt?“
Ziel dieses Exkurses ist es auf inklusive Sprache, vor allem in der Schriftsprache zu kommen. Der „Point médian“ wird vorgestellt: „les ami·e·s“; „les voisin·e·s“.
Die Erarbeitungsphase wird beendet mit einem diktierten Merkteil zu den grammatischen Regeln des bestimmten Artikel.
In der Vertiefungsphase soll das Neugelernte Anhand von Übungsaufgaben gefestigt werden. Die erste Aufgabe sieht eine PartnerInnenarbeit vor und soll von allen SuS erledigt werden. Aus den übrigen vier Übungsaufgaben wählen die SuS 2-3, nach eigenem Arbeitstempo und Interesse. Eine der Aufgaben umfasst die gender inklusive Schreibweise mit „Point médian“.
Der Stundenverlaufsplan sieht einen gemeinsamen Vergleich vor um die Lösungen zu sichern.

Das Ende der Stunde wird begleitet von einem Spiel, welches wieder den Wortschatz vom Beginn auffasst, sowie die bestimmten Artikel thematisiert. Das soll einen Rahmen schaffen und wiederholend festigen, als auch auflockern.

Materialien

M1 – Beispielvokabeln → Hinführung

M2 – Karrikatur → Erarbeitungsphase

M3 – AB 1-3 → Vertiefungsphase

Literatur

König L., Surkamp C., Decke-Cornill H. (2015): Negotiating Gender. Aushandlungs- und Reflexionsprozesse über Geschlechtervorstellungen im Fremdspraachenunterricht anregen. Jg.49/ H.135.

erstellt von: Rebekka Sandmann