Diversität und Differenzierung im Fremdsprachenunterricht

Ma famille et mes amis – Mehrsprachigkeit

Unterrichtsreihe

Unsere Unterrichtsstunde ist die Abschlussstunde einer Unterrichtsreihe in der 7. Klasse und ist thematisch im Lehrplan bei „Moi, ma famille et mes copains“ zu verorten. Das Ziel der Unterrichtsreihe ist es, seine Familie und Freunde mündlich in einem Video oder einem Podcast präsentieren zu können, deshalb liegt die Schwerpunktkompetenz auch beim Sprechen. Um die SuS darauf vorzubereiten, beginnt die Unterrichtsreihe mit einer Stunde zum Wortschatz von „la famille“ und „les amis“. Daraufhin folgt eine Stunde, die thematisch „l’anniversaire“ behandelt, um weitere Zahlen und die Monate einzuführen. Im Anschluss an diese Stunde werden die Possessivbegleiter behandelt und somit neue, für das Lernziel wichtige, Grammatik vermittelt. Danach wird das Verb „avoir“ eingeführt und die Verben „être“ und „habiter“ werden wiederholt. Anschließend erfolgt eine Wiederholung von „les loisirs“, damit die SuS bei der Vorstellung ihrer Familien und Freunde 1-2 weitere Informationen zu den Personen geben können. Nun folgt auch schon unsere abschließende Unterrichtsstunde, welche die SuS noch einmal zusammenfassend auf die Präsentation vorbereitet und interkulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufgreift. 

Diversitätsmerkmal Mehrsprachigkeit

Am wohl wichtigsten beim Unterrichten mit dem Diversitätsmerkmal Mehrsprachigkeit ist es, alle Sprachen, welche die SuS mitbringen, wertzuschätzen und den SuS verständlich zu machen, dass die eigene Erstsprache hilfreich sein kann beim Erlernen weiterer Sprachen.

Einige Studien zeigen, dass mehrsprachige SuS einen Vorsprung beim Sprachenlernen haben, da ihnen der Erwerb von Lexik, die Übertragung von Textmusterwissen bzw. Textsortenerkennung und die Anwendung pragmatisch-kommunikativer Fähigkeiten leichter fällt. So können sich die Erfahrungen, die SuS gemacht haben, während sie ihre erste Fremdsprache in einem gesteuerten Prozess gelernt haben, auf den Prozess des Erlernens einer weiteren Sprache auswirken. Die Kenntnisse der bereits gelernten Sprache können also auf die neu zu lernende Sprache bezogen werden.

Allerdings ist auch zu beachten, dass die Verschiedenheit von Sprachen und die Sprachlernfolge entscheidend sind, wie gut eine neue Sprache gelernt wird.

Die Fremdsprachenerwerbsforschung geht davon aus, dass SuS, die bereits Sprachlernerfahrung haben, auch bereits Sprachlernstrategien entwickelt haben, die ein neues Erlernen einer Sprache erleichtern. Diese Sprachlernstrategien sollten aber explizit mit den SuS trainiert werden, da eine Automatisierung dieser meist Jahre dauert.Es hat sich auch gezeigt, dass sich Lern- und Lesestrategien besonders gut übertragen lassen.

Außerdem kann es für mehrsprachige SuS hilfreich sein, mehrsprachige Vokabellisten anzufertigen, sprachenübergreifende Themen zu wählen, Sprache in ihren Strukturen zu vergleichen und somit eine Reflexion über Sprache stattfinden zu lassen und Kommunikationsmöglichkeiten zu schaffen.

(vgl. Budde)

Oft wird der Bildungserfolg bei Mehrsprachigen mit Fortschritten in der Bildungssprache Deutsch gleichgesetzt und man sieht Kompetenzen im Deutschen als Voraussetzung für einen erfolgreichen Fremdsprachenunterricht an. So werden oft individuelle Sprachlernbiografien nicht beachtet und es wird von einer homogenen Gruppe von Mehrsprachigen ausgegangen.

Es sollte außerdem beachtet werden, dass Mehrsprachigkeit immer auch mit der Einstellung zu Mehrsprachigkeit, den Sprachkompetenzen, dem sozioökonomischen Status der Familie und der Bildungsunterstützung dieser zusammenhängt.

(vgl. Chilla, Hamann)

Für unsere konkrete Unterrichtsplanung haben wir 5 Lernende von insgesamt 25 SuS mit anderen Erstsprachen (Vietnamesisch, Arabisch, Türkisch und Englisch) als dem Deutschen berücksichtigt. Diese SuS haben Deutsch als Zweitsprache und sprechen als Familiensprache ihre jeweilige Erstsprache.

Verlaufsplan

Das Ziel unserer Unterrichtsstunde ist es, dass die SuS mündlich in einem Video oder einem Podcast ihre Familie und ihre Freunde vorstellen können. Dafür wird noch einmal abschließend der für dieses Ziel notwendige Wortschatz und die Grammatik wiederholt.

Als kurze Reaktivierung des Wortschatzes zu „la famille“ und „les amis“ wird als Einstieg in die Stunde ein schnelles Bingo gespielt.

Anschließend wird unter Berücksichtigung des Diversitätsmerkmals „Mehrsprachigkeit“ ein Stammbaum einer aserbaidschanischen Familie und einer französischen Familie besprochen, indem kulturelle und sprachliche Besonderheiten in der Zusammensetzung einer Familie und Bezeichnung von Familienmitgliedern analysiert und auch mit dem eigenen Familienstammbaum verglichen werden.

Nun werden in Form eines Kahoot-Quizes die Verbformen von „avoir“, „être“ und „habiter“ wiederholt. 

Daraufhin wiederholen die SuS Vokabeln und Formulierungen die für die Vorstellung der Familie von Bedeutung sein könnten, indem sie eine mehrsprachige Tabelle ausfüllen.

Bevor es zu der abschließenden vorbereitenden Übung für die Präsentation kommt, erklärt die Lehrkraft die Aufgabe zur Erstellung des Videos oder des Podcasts. Es soll ein Video / ein Podcast als Hausaufgabe erstellt werden, in welchem die Familienmitglieder, nahestehenden Personen und Freunde vorgestellt werden. Die Rahmenbedingungen umfassen neben den Namen und dem Verwandtschaftsgrad 1-2 zusätzliche Informationen zu jeder Person zu nennen. Am Anfang des Videos stellt sich der/die Schüler*in in 1-2 Sätzen kurz selbst vor.

Als direkte Vorbereitung auf die Erstellung des Videos / Podcasts, üben die SuS in Partnerarbeit die Vorstellung von Familienmitgliedern. Dazu zeigen sie abwechselnd auf eine Person im Stammbaum des Gegenübers und fragen nach ihr. Der/die andere Schüler*in beantwortet die Frage nach seinem/ihrem Familienmitglied und nennt eine weitere Information über diese Person. Um das Gesagte für die Erstellung des Videos / Podcasts als Hilfestellung noch einmal festzuhalten, wird es anschließend verschriftlicht.

Autorinnen: Nargila Alieva & Laura Alessandra Scholz

Bibliografie

Budde, Monika (2015): Sprachliche und kulturelle Heterogenität als Potenziale im Fremdsprachenunterricht nutzen. In: Michalak/Rybarczyk (Hrsg.), Wenn Schüler mit besonderen Bedürfnissen Fremdsprachen lernen, Beltz Verlag, Weinheim Basel, 64–87.

Chilla, Solveig/ Hamann, Cornelia (2021): Sprachliche Heterogenität als Herausforderung und Chance für den inklusiven Fremdsprachenunterricht, In: Zeitschrift für Fremdsprachenforschung 32 (1), 105-126.