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Lektüren: “Parteiendämmerung”

Innenpolitik, Lektüren

Seit geraumer Zeit wird in Deutschland über die Zukunft der Volksparteien diskutiert, und zwar sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der Politikwissenschaft. Konnten Union und SPD bei der Bundestagswahl 1976 noch mehr als 90 Prozent der Stimmen auf sich vereinen, so fiel dieser Wert bis zur Bundestagswahl 2009 auf etwas mehr als 56 Prozent. Wir sprechen heute vom “fluiden Fünf-Parteiensystem”, in dem die kleinen Parteien größer werden und die großen Parteien an Zustimmung einbüßen. Passend zum Thema hat der Berliner Politikwissenschaftler Christoph Seils eine Analyse zum Thema vorgelegt. Alle relevanten Aspekte werden behandelt: der Aufstieg der Volksparteien, deren Krise, die erhöhte Volatilität aufgrund der steigenden Zahl an Wechselwählern, zukünftige Koalitionsoptionen und die Rolle von Parteien in der modernen Mediendemokratie. Das Buch ist sicher hilfreich für alle Studierenden, die derzeit an Hausarbeiten im Seminar “Parteien und Wahlkampf” sitzen. Aber auch alle anderen Interessierten werden das Buch mit Gewinn lesen.

Christoph Seils: Parteiendämmerung oder was kommt nach den Volksparteien?, wjs-Verlag, Berlin 2010, 196 Seiten, 16,90 Euro.

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Lektüren: “Inszenierung als Beruf”

Außenpolitik, Innenpolitik, Lektüren

In den letzten Tagen war Karl-Theodor zu Guttenberg, ein gutes halbes Jahr nach seinem Rücktritt von allen politischen Ämtern, wieder in den Medien präsent: er zieht nun also für die nächsten Jahre mit Familie an die amerikanische Ostküste. Zum gleichen Zeitpunkt erscheint im Suhrkamp-Verlag ein Band, der sich bemüht, das nachzuvollziehen, was damals geschehen ist, quasi das Buch zum Plagiat. Aber zugleich ist das Buch viel mehr: es stellt die Frage, wie Guttenberg im Laufe seiner kurzen bundespolitischen Karriere so schnell so populär werden konnte, analysiert seine ihm eigene Rhethorik und beleuchtet die Rolle des Internets in der Causa Guttenberg.
Ausführliche Informationen zum Buch, das Inhaltsverzeichnis sowie eine Leseprobe finden Sie auf den Internetseiten des Verlages.

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Lektüren: “Home Style” von Richard Fenno

Lektüren, US-Politik

Wie nehmen Repräsentanten die von ihnen Repräsentierten wahr? Auf welche Weise interagieren Abgeordneten mit ihrer Wählerschaft? Diesen Fragen geht der amerikanische Politikwissenschaftler Richard Fenno in seinem Buch “Home Style – House Members in Their Districts” nach. Das Buch ist bis heute ein Meilenstein der amerikanischen Politikwissenschaft. Der Hallenser Politikstudent Markus Wegewitz hat das Buch gelesen.

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Wer ist “Merkels Verkäuferin”?

Innenpolitik, Lektüren

Politiker und Politikerinnen stützen sich heute auf die Unterstützung vieler Mitarbeiter und Berater unterschiedlichster Couleur. Wer sich hinter dem öffentlichen Image eines Politikers eigentlich verbirgt und wie das das Ganze funktioniert, kann man in einem jüngst veröffentlichten Artikel des Berliner Tagesspiegels nachlesen. In diesem konkreten Fall geht es um “Merkels Verkäuferin” Eva Christiansen.

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Lektüren: “Joe Biden”

Lektüren, US-Politik

Joe Biden ist sicherlich einer der interessantesten Politiker der letzten Jahrzehnte, auch wenn er seit Januar 2009 als Vizepräsident im Schatten von US-Präsident Barack Obama steht. Dabei war Bidens Leben von Hochs und Tiefs geprägt. 1972 als absoluter Underdog völlig überraschend zum Senator von Delaware in Washington gewählt (zu dem Zeitpunkt war er noch zwei Wochen von seinem dreißigsten Geburtstag, der offiziellen Altersgrenze des Senats, entfernt), verliert er wenige Wochen später Frau und Tochter bei einem Verkehrsunfall. Nur mühsam kann man ihn überreden, zunächst sechs Monate auf Probe im Senat mitzuarbeiten, da er zunächst den Job hinwerfen wollte. Anschließend entwickelt er sich im Senat zu einer einflussreichen Stimme sowohl im Auswärtigen wie im Rechtsausschuss.
1987 bewirbt er sich um die Präsidentschaft – und muss doch seine Bewerbung vorzeitig beenden, denn er soll Reden beim britischen Labour-Politiker Neil Kinnock übernommen und den Urheber nicht genannt haben. Unmittelbar darauf muss er sich einer lebensgefährlichen Operation unterziehen. Wieder widmet er sich anschließend der täglichen Kärrnerarbeit im Senat, wird als Vorsitzender des Rechtsausschusses durch eine Reihe von öffentlich beachteten Richteranhörungen bekannt. Als Mitglied des Auswärtigen Ausschusses bereist er die Welt und gewinnt ein Gespür für internationale Entwicklungen und die Partner der Vereinigten Staaten sowohl während als auch nach dem Ende des Kalten Krieges.
2008 bewirbt er sich erneut um die Präsidentschaft und scheitert doch gleich im ersten Bundesstaat Iowa, wo er mit einem (!) Prozent der Stimmen weit hinter den Erwartungen zurückbleibt. Doch dieses Mal gibt es ein Happy End: als Vizepräsidentschaftskandidat Obamas gewinnt er mit ihm zusammen die Wahl und zieht (endlich) ins Weiße Haus ein.
Der langjährige amerikanische Journalist Jules Witcover hat eine sehr solide, lesenswerte Biografie von Joe Biden geschrieben, gefüllt mit zahlreichen Geschichten und Anekdoten. Zugleich gelingt es ihm, anhand der Person Biden die letzten vierzig Jahre amerikanischer Geschichte lebendig werden zu lassen. Insgesamt entsteht so ein Porträt der US-Politik zwischen Vietnamkrieg und dem Gewinn der Präsidentschaft durch Obama im Jahre 2008.

Jules Witcover: “Joe Biden. A Life of Trial and Redemption”, New York 2010, 538 Seiten, $27,99.

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Lektüren: “Sanftes Monster Brüssel”

Lektüren

Hans Magnus Enzensberger ist wohl einer der bekanntesten Intellektuellen dieser Republik und bislang meines Wissens der einzige, der sogar seine Flops als Buch publiziert hat.
Nun hat er sich in einem eher lang ausgefallenen Essay der europäischen Integrationspolitik gewidmet, und entstanden ist eine äußerst kluge und durchaus kritische Auseinandersetzung mit europäischen Institutionen, Politikern und Politikfeldern. Enzensberger unternimmt eine Reise ins Innere dieser EU, spricht in Brüssel mit deren Vertretern, bemüht sich Licht in die europäische Abkürzungssuppe (FAC, ECOFIN, JHA, COMP, ENVI, EXC, TTW, CAP und viele mehr, vgl. S. 24, mehr Abkürzungen folgen auf S. 25 und 26, ebenso auf S. 53) zu bringen und vergisst auch nicht, auf die Vorzüge dieser Einrichtung hinzuweisen, auf ein ganzes Menschenalter ohne Krieg zum Beispiel, “eine Anomalie, auf die dieser Kontinent stolz sein kann” (S. 7).
Natürlich kommen auch die “Pionierleistungen” der europäischen Institutionen nicht zu kurz, so etwa die Einführung neuer, internationaler Kontonummern (27- bis 32-stellig), so dass zum Beispiel für 414000 Malteser insgesamt 3100000000000000000000000000000 verschiedene Kontonummern zur Verfügung stehen, die durch weitere 10000000000 BIC-Nummern präzisiert werden könnten (S. 21). Und natürlich die legendäre Gurkenrichtlinie oder die Verordnung Nr. 2396/2001, die festlegt, dass “bei Lauch und Porree der Güteklasse I mindestens ein Drittel der Gesamtlänge oder die Hälfte des umhüllten Teils von weißer bis grünlich-weißer Färbung sein muss”, es sei denn es handelt sich um Frühporree oder Frühlauch, denn dann “muss der weiße oder grünlich-weiße Teil mindestens ein Viertel der Gesamtlänge oder ein Drittel des umhüllten Teils ausmachen” (vgl. S. 19).
Insgesamt ist ein äußerst lesenswerter Essay entstanden, gewissermaßen eine tour d’horizon durch europäische politische Landschaften. Unbedingte Kaufempfehlung!

Hans Magnus Enzensberger: “Sanftes Monster Brüssel oder die Entmündigung Europas”, Edition Suhrkamp, Frankfurt/Main 2011, 70 Seiten, €7,00.

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Lektüren: “Geschichte des Irakkriegs”

Außenpolitik, Lektüren

Heute erscheint offiziell der zweite Memoirenband von Ex-Außenminister Joschka Fischer (“I am not convinced”, Kiepenheuer und Witsch), gestern hat er sein Buch in Berlin offiziell vorgestellt. Bereits in der letzten Woche hat der frühere US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld seine Autobiografie vorgestellt. Einer der Schwerpunkte beider Bände ist der jüngste Irakkrieg. Für Leser, die sich nicht durch diese Wälzer lesen wollen, sondern ein kompaktes, gut verständliches und zudem aktuelles Werk zum Irakkrieg suchen, sei der Band von Stephan Bierling, einem Politologen der Universität Regensburg, empfohlen. Publiziert hat er sein Werk in der beck’schen Reihe des C.H. Beck Verlages, in der er bereits eine “Geschichte der amerikanischen Außenpolitik” sowie eine “Kleine Geschichte Kaliforniens” vorgelegt hat.
Ausführlich beschreibt Bierling die Vorgeschichte des Konflikts. Besonderes Augenmerk legt er auf den inneramerikanischen Entscheidungsprozess sowie die bi- und multilaterale Abstimmung mit anderen Staaten. Auch die Rolle Deutschlands unter Bundeskanzler Schröder und Außenminister Fischer kommt nicht zu kurz. Detailliert beschreibt Bierling die Nachkriegssituation im Irak und beleuchtet die mehrfachen Wechsel in der amerikanischen Strategie. Das Buch endet mit den neuen Ansätzen unter Präsident Obama. Jederzeit gut lesbar und im Urteil stets abwägend, aber doch pointiert und nachvollziehbar, ist Bierling ein außerordentlich gutes Buch zum Irakkrieg gelungen, das hoffentlich viele Leser findet.

Stephan Bierling: Geschichte des Irakkriegs. Der Sturz Saddams und Amerikas Albtraum im Mittleren Osten, München: C. H. Beck Verlag, 2010, 256 Seiten, €12,95. Mehr hier.

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Ronald Reagan zum 100. Geburtstag

Lektüren, US-Politik

Am heutigem Sonntag wäre Ronald Reagan, von 1981 bis 1989 40. Präsident der Vereinigten Staaten, 100 Jahre alt geworden. Lange Zeit als Kalter Krieger und Hardcore-Republikaner verschrien (oder als Hollywood-Schauspieler belächelt, der er vor seiner Zeit als Gouverneur von Kalifornien und Präsident war), wandelt sich das Bild Reagans, der im Juni 2004 verstarb, seit einigen Jahren. Inzwischen beruft sich auch US-Präsident Barack Obama auf Reagan, der seinerseits zu Beginn seiner Karriere registrierter Demokrat war. Die Hintergründe haben die Süddeutsche Zeitung, der Tagesspiegel und die FAZ.
Wer sich näher mit Reagan beschäftigen will, kann seine Presidential Library besuchen oder zu diesen sehr lesenswerten Büchern greifen:
Gil Troy: The Reagan Revolution. A Very Short Introduction, Oxford University Press 2009 (kurz und intensiv).
Lou Cannon: President Reagan. The Role of a Lifetime, New York 2000 (sehr fundiert und detailliert: dieses Buch hat fast 900 Seiten!! Obama hatte das Werk über Weihnachten auf seiner reading list).

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Politiker in Deutschland: Facebook-Euphorie verflogen

Internet(z), Lektüren

Barack Obama hat im Wahlkampf 2008 vorgemacht, wie effektiv man neue Medien wie das Internet und Instrumente wie Facebook und Twitter in den Wahlkampf und die Politik einbauen kann. Dass die Politiker in der Bundesrepublik mit einigen Ausnahmen diesen Trends hinterherlaufen, ist nicht überraschend. Aber wie wenig diese Möglichkeiten genutzt werden, ist schon verblüffend. Die Technische Hochschule Illmenau hat in diesen Tagen eine Studie zum Thema vorgestellt, in der genauer untersucht wurde, wie Bundes- und Landtagsmitglieder Facebook nutzen. Die Pressemitteilung der Hochschule finden Sie hier, zugleich gelangen Sie über diese Seite zum Volltext der Studie.

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Lektüren: Wikileaks in der Literatur

Lektüren

In diesen Tagen erscheinen zwei Bücher zum Phänomen Wikileaks, und folgt man Andrian Kreye von der Süddeutschen Zeitung, sind beide lesenswert und könnten zu deutschsprachigen Standardwerken zum Thema avancieren. Wir selbst haben die Bücher (noch) nicht gelesen, daher hier der Verweis auf die sehr lesenswerte Rezension aus der Süddeutschen Zeitung vom 22. Januar 2011. Im April soll dann übrigens die deutschsprachige Ausgabe der Autobiografie von Julian Assange erscheinen.

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