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Abschied von Christopher Hitchens (1949-2011)

Au├čenpolitik, Lekt├╝ren

Gestern ist der britische Autor, Kolumnist und Publizist Christopher Hitchens gestorben. Er wurde nur 62 Jahre alt. In seinen Werken nahm er es mit Henry Kissinger und Mutter Teresa auf, war bekennender Atheist und unbedingter Unterst├╝tzer des Irakkrieges, er war stets streitbar und doch voller Empathie f├╝r die Dinge und Personen, mit denen er sich auseinandersetzte. Lesenswert waren seine B├╝cher und Kolumnen, etwa f├╝r Vanity Fair und das Atlantic Monthly, allemal, auch oder gerade wenn man mit ihm nicht einer Meinung war. Er probierte das Waterboarding am eigenen K├Ârper aus und versuchte sich im New York des Michael Bloomberg am erkl├Ąrten Tabubruch im ├Âffentlichen Raum. Auch als er schwer erkrankte, hinderte ihn das nicht daran, mit knapp 450 Seiten eine umfangreiche Autobiografie vorzulegen. Unabh├Ąngig davon, ob man mit Hitchens’ Meinung einverstanden war oder nicht – langweilig war er nie.
Eine Rezension eines seiner zentralen Werke ist hier zu finden. Den Nachruf der New York Times lesen Sie hier. Ausgew├Ąhlte Artikel aus der Vanity Fair gibt es hier nachzulesen.

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Lekt├╝ren: “Die Europ├Ąische Union”

Lekt├╝ren

Nicht erst seit den Tagen der EURO-Krise wird uns vor Augen gef├╝hrt, welche zentrale Rolle die Europ├Ąische Union in einzelnen Politikfeldern spielt, oder besser: spielen k├Ânnte. Nun ist die zweite Auflage von Werner Weidenfelds Buch: Die Europ├Ąische Union erschienen, das systematisch Geschichte, Strukturen, Akteure und Politikfelder aus politikwissenschaftlicher Perspektive behandelt und doch leicht verst├Ąndlich ist. Da es sich zudem um ein preisg├╝nstiges Taschenbuch handelt: unbedingte Kaufempfehlung!
Details zum Buch gibt es hier.

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Neues Publikationsverzeichnis der BpB erschienen

Lekt├╝ren, Politikwissenschaft, Studium, Wintersemester 2011/12

Am vergangenen Samstag war es im Briefkasten, inzwischen steht es auch online: das neue Publikationsverzeichnis der Bundeszentrale f├╝r politische Bildung (Oktober 2011-M├Ąrz 2012) ist da. Auf der Frankfurter Buchmesse werden die wichtigsten Neuerscheinungen vorgestellt. F├╝r alle Politikwissenschaftler noch zwei Hinweise: das Standardwerk von Manfred G. Schmidt zum politischen System der Bundesrepublik gibt es nun in 2011er Auflage. Ebenso lesenswert: eine Geschichte des Bundesverfassungsgerichts von SPIEGEL-Autor Rolf Lamprecht, das ich mir dummerweise soeben als (teurere) Buchhandelsausgabe gekauft habe.:(

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Lekt├╝ren: “Parteiend├Ąmmerung”

Innenpolitik, Lekt├╝ren

Seit geraumer Zeit wird in Deutschland ├╝ber die Zukunft der Volksparteien diskutiert, und zwar sowohl in der ├ľffentlichkeit als auch in der Politikwissenschaft. Konnten Union und SPD bei der Bundestagswahl 1976 noch mehr als 90 Prozent der Stimmen auf sich vereinen, so fiel dieser Wert bis zur Bundestagswahl 2009 auf etwas mehr als 56 Prozent. Wir sprechen heute vom “fluiden F├╝nf-Parteiensystem”, in dem die kleinen Parteien gr├Â├čer werden und die gro├čen Parteien an Zustimmung einb├╝├čen. Passend zum Thema hat der Berliner Politikwissenschaftler Christoph Seils eine Analyse zum Thema vorgelegt. Alle relevanten Aspekte werden behandelt: der Aufstieg der Volksparteien, deren Krise, die erh├Âhte Volatilit├Ąt aufgrund der steigenden Zahl an Wechselw├Ąhlern, zuk├╝nftige Koalitionsoptionen und die Rolle von Parteien in der modernen Mediendemokratie. Das Buch ist sicher hilfreich f├╝r alle Studierenden, die derzeit an Hausarbeiten im Seminar “Parteien und Wahlkampf” sitzen. Aber auch alle anderen Interessierten werden das Buch mit Gewinn lesen.

Christoph Seils: Parteiend├Ąmmerung oder was kommt nach den Volksparteien?, wjs-Verlag, Berlin 2010, 196 Seiten, 16,90 Euro.

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Lekt├╝ren: “Inszenierung als Beruf”

Au├čenpolitik, Innenpolitik, Lekt├╝ren

In den letzten Tagen war Karl-Theodor zu Guttenberg, ein gutes halbes Jahr nach seinem R├╝cktritt von allen politischen ├ämtern, wieder in den Medien pr├Ąsent: er zieht nun also f├╝r die n├Ąchsten Jahre mit Familie an die amerikanische Ostk├╝ste. Zum gleichen Zeitpunkt erscheint im Suhrkamp-Verlag ein Band, der sich bem├╝ht, das nachzuvollziehen, was damals geschehen ist, quasi das Buch zum Plagiat. Aber zugleich ist das Buch viel mehr: es stellt die Frage, wie Guttenberg im Laufe seiner kurzen bundespolitischen Karriere so schnell so popul├Ąr werden konnte, analysiert seine ihm eigene Rhethorik und beleuchtet die Rolle des Internets in der Causa Guttenberg.
Ausf├╝hrliche Informationen zum Buch, das Inhaltsverzeichnis sowie eine Leseprobe finden Sie auf den Internetseiten des Verlages.

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Lekt├╝ren: “Home Style” von Richard Fenno

Lekt├╝ren, US-Politik

Wie nehmen Repr├Ąsentanten die von ihnen Repr├Ąsentierten wahr? Auf welche Weise interagieren Abgeordneten mit ihrer W├Ąhlerschaft? Diesen Fragen geht der amerikanische Politikwissenschaftler Richard Fenno in seinem Buch “Home Style – House Members in Their Districts” nach. Das Buch ist bis heute ein Meilenstein der amerikanischen Politikwissenschaft. Der Hallenser Politikstudent Markus Wegewitz hat das Buch gelesen.

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Wer ist “Merkels Verk├Ąuferin”?

Innenpolitik, Lekt├╝ren

Politiker und Politikerinnen st├╝tzen sich heute auf die Unterst├╝tzung vieler Mitarbeiter und Berater unterschiedlichster Couleur. Wer sich hinter dem ├Âffentlichen Image eines Politikers eigentlich verbirgt und wie das das Ganze funktioniert, kann man in einem j├╝ngst ver├Âffentlichten Artikel des Berliner Tagesspiegels nachlesen. In diesem konkreten Fall geht es um “Merkels Verk├Ąuferin” Eva Christiansen.

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Lekt├╝ren: “Joe Biden”

Lekt├╝ren, US-Politik

Joe Biden ist sicherlich einer der interessantesten Politiker der letzten Jahrzehnte, auch wenn er seit Januar 2009 als Vizepr├Ąsident im Schatten von US-Pr├Ąsident Barack Obama steht. Dabei war Bidens Leben von Hochs und Tiefs gepr├Ągt. 1972 als absoluter Underdog v├Âllig ├╝berraschend zum Senator von Delaware in Washington gew├Ąhlt (zu dem Zeitpunkt war er noch zwei Wochen von seinem drei├čigsten Geburtstag, der offiziellen Altersgrenze des Senats, entfernt), verliert er wenige Wochen sp├Ąter Frau und Tochter bei einem Verkehrsunfall. Nur m├╝hsam kann man ihn ├╝berreden, zun├Ąchst sechs Monate auf Probe im Senat mitzuarbeiten, da er zun├Ąchst den Job hinwerfen wollte. Anschlie├čend entwickelt er sich im Senat zu einer einflussreichen Stimme sowohl im Ausw├Ąrtigen wie im Rechtsausschuss.
1987 bewirbt er sich um die Pr├Ąsidentschaft – und muss doch seine Bewerbung vorzeitig beenden, denn er soll Reden beim britischen Labour-Politiker Neil Kinnock ├╝bernommen und den Urheber nicht genannt haben. Unmittelbar darauf muss er sich einer lebensgef├Ąhrlichen Operation unterziehen. Wieder widmet er sich anschlie├čend der t├Ąglichen K├Ąrrnerarbeit im Senat, wird als Vorsitzender des Rechtsausschusses durch eine Reihe von ├Âffentlich beachteten Richteranh├Ârungen bekannt. Als Mitglied des Ausw├Ąrtigen Ausschusses bereist er die Welt und gewinnt ein Gesp├╝r f├╝r internationale Entwicklungen und die Partner der Vereinigten Staaten sowohl w├Ąhrend als auch nach dem Ende des Kalten Krieges.
2008 bewirbt er sich erneut um die Pr├Ąsidentschaft und scheitert doch gleich im ersten Bundesstaat Iowa, wo er mit einem (!) Prozent der Stimmen weit hinter den Erwartungen zur├╝ckbleibt. Doch dieses Mal gibt es ein Happy End: als Vizepr├Ąsidentschaftskandidat Obamas gewinnt er mit ihm zusammen die Wahl und zieht (endlich) ins Wei├če Haus ein.
Der langj├Ąhrige amerikanische Journalist Jules Witcover hat eine sehr solide, lesenswerte Biografie von Joe Biden geschrieben, gef├╝llt mit zahlreichen Geschichten und Anekdoten. Zugleich gelingt es ihm, anhand der Person Biden die letzten vierzig Jahre amerikanischer Geschichte lebendig werden zu lassen. Insgesamt entsteht so ein Portr├Ąt der US-Politik zwischen Vietnamkrieg und dem Gewinn der Pr├Ąsidentschaft durch Obama im Jahre 2008.

Jules Witcover: “Joe Biden. A Life of Trial and Redemption”, New York 2010, 538 Seiten, $27,99.

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Lekt├╝ren: “Sanftes Monster Br├╝ssel”

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Hans Magnus Enzensberger ist wohl einer der bekanntesten Intellektuellen dieser Republik und bislang meines Wissens der einzige, der sogar seine Flops als Buch publiziert hat.
Nun hat er sich in einem eher lang ausgefallenen Essay der europ├Ąischen Integrationspolitik gewidmet, und entstanden ist eine ├Ąu├čerst kluge und durchaus kritische Auseinandersetzung mit europ├Ąischen Institutionen, Politikern und Politikfeldern. Enzensberger unternimmt eine Reise ins Innere dieser EU, spricht in Br├╝ssel mit deren Vertretern, bem├╝ht sich Licht in die europ├Ąische Abk├╝rzungssuppe (FAC, ECOFIN, JHA, COMP, ENVI, EXC, TTW, CAP und viele mehr, vgl. S. 24, mehr Abk├╝rzungen folgen auf S. 25 und 26, ebenso auf S. 53) zu bringen und vergisst auch nicht, auf die Vorz├╝ge dieser Einrichtung hinzuweisen, auf ein ganzes Menschenalter ohne Krieg zum Beispiel, “eine Anomalie, auf die dieser Kontinent stolz sein kann” (S. 7).
Nat├╝rlich kommen auch die “Pionierleistungen” der europ├Ąischen Institutionen nicht zu kurz, so etwa die Einf├╝hrung neuer, internationaler Kontonummern (27- bis 32-stellig), so dass zum Beispiel f├╝r 414000 Malteser insgesamt 3100000000000000000000000000000 verschiedene Kontonummern zur Verf├╝gung stehen, die durch weitere 10000000000 BIC-Nummern pr├Ązisiert werden k├Ânnten (S. 21). Und nat├╝rlich die legend├Ąre Gurkenrichtlinie oder die Verordnung Nr. 2396/2001, die festlegt, dass “bei Lauch und Porree der G├╝teklasse I mindestens ein Drittel der Gesamtl├Ąnge oder die H├Ąlfte des umh├╝llten Teils von wei├čer bis gr├╝nlich-wei├čer F├Ąrbung sein muss”, es sei denn es handelt sich um Fr├╝hporree oder Fr├╝hlauch, denn dann “muss der wei├če oder gr├╝nlich-wei├če Teil mindestens ein Viertel der Gesamtl├Ąnge oder ein Drittel des umh├╝llten Teils ausmachen” (vgl. S. 19).
Insgesamt ist ein ├Ąu├čerst lesenswerter Essay entstanden, gewisserma├čen eine tour d’horizon durch europ├Ąische politische Landschaften. Unbedingte Kaufempfehlung!

Hans Magnus Enzensberger: “Sanftes Monster Br├╝ssel oder die Entm├╝ndigung Europas”, Edition Suhrkamp, Frankfurt/Main 2011, 70 Seiten, ÔéČ7,00.

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Lekt├╝ren: “Geschichte des Irakkriegs”

Au├čenpolitik, Lekt├╝ren

Heute erscheint offiziell der zweite Memoirenband von Ex-Au├čenminister Joschka Fischer (“I am not convinced”, Kiepenheuer und Witsch), gestern hat er sein Buch in Berlin offiziell vorgestellt. Bereits in der letzten Woche hat der fr├╝here US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld seine Autobiografie vorgestellt. Einer der Schwerpunkte beider B├Ąnde ist der j├╝ngste Irakkrieg. F├╝r Leser, die sich nicht durch diese W├Ąlzer lesen wollen, sondern ein kompaktes, gut verst├Ąndliches und zudem aktuelles Werk zum Irakkrieg suchen, sei der Band von Stephan Bierling, einem Politologen der Universit├Ąt Regensburg, empfohlen. Publiziert hat er sein Werk in der beck’schen Reihe des C.H. Beck Verlages, in der er bereits eine “Geschichte der amerikanischen Au├čenpolitik” sowie eine “Kleine Geschichte Kaliforniens” vorgelegt hat.
Ausf├╝hrlich beschreibt Bierling die Vorgeschichte des Konflikts. Besonderes Augenmerk legt er auf den inneramerikanischen Entscheidungsprozess sowie die bi- und multilaterale Abstimmung mit anderen Staaten. Auch die Rolle Deutschlands unter Bundeskanzler Schr├Âder und Au├čenminister Fischer kommt nicht zu kurz. Detailliert beschreibt Bierling die Nachkriegssituation im Irak und beleuchtet die mehrfachen Wechsel in der amerikanischen Strategie. Das Buch endet mit den neuen Ans├Ątzen unter Pr├Ąsident Obama. Jederzeit gut lesbar und im Urteil stets abw├Ągend, aber doch pointiert und nachvollziehbar, ist Bierling ein au├čerordentlich gutes Buch zum Irakkrieg gelungen, das hoffentlich viele Leser findet.

Stephan Bierling: Geschichte des Irakkriegs. Der Sturz Saddams und Amerikas Albtraum im Mittleren Osten, M├╝nchen: C. H. Beck Verlag, 2010, 256 Seiten, ÔéČ12,95. Mehr hier.

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