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Lektüren

27. März 2026

„Einigkeit und Recht und Rache“: Ein Kanzleramtskrimi als Lektüre in der vorlesungsfreien Zeit

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Er hat es schon wieder getan: der österreichische Autor und Journalist Wolfgang Ainetter hat nach seinem Ministeriumskrimi „Geheimnisse, Lügen und andere Währungen“ (2024) nun einen „Kanzleramtskrimi geschrieben. Überschrieben ist er mit „Einigkeit und Recht und Rache“ – und er könnte nicht dramatischer beginnen: auf einem großen Ball im Berliner Hotel Adlon werden der Kanzler und sein Wirtschaftsminister vergiftet. Die Aufregung ist groß – und es gibt eigentlich nur eine Person, die diesen Fall aufklären kann (und es wird schnell klar, dass es sich bei der Vergiftung nicht um ein Versehen handelt): diese Person ist der österreichische Ermittler André Heidergott, der sich mit charmantem Wiener Schmäh und hintergründigem Humor an die Ermittlungen macht. Spuren gibt es auf den ersten Blick viele. Sie führen ins islamistische Milieu, zur russischen Botschaft und in das Innenleben der Kanzlerpartei. Und am Ende steht eine Auflösung des Falls, bei der die tatverdächtige Person (es wird nichts verraten!) aus dem direkten Umfeld der Todesopfer kommt.

Man merkt dem Buch an, dass Ainetter in der Politszene Berlins gut vernetzt ist und sich zwischen Brandenburger Tor und Alexanderplatz entsprechend gut auskennt. Fast spannender als die Kimihandlung sind die zahlreichen Anspielungen auf reale Vorbilder (und ich vermutlich längst nicht alle wahrgenommen). Wer Pate für Finanzminister Claas von der Linden, Außenministerin Alma Brock und Wirtschaftsminister Norbert Bobeck stand, dürfte allen Lesern sofort klar sein. Auch eine bekannte Medienmogulin und journalistische Akteure spielen eine prominente Rolle. Schwieriger ist es das Enträtseln der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Politprominenz, die im Buch ebenfalls vorkommt. Wer verbirgt sich etwa im realen Leben hinter Staatssekretär Benjamin Kreutzfeldt, wer hinter dem Ministerialdirekot Hans-Peter Lörr? Wer stand für den Rechtsmediziner Maik Schallenberg, wer für den „Wumms24“-Chefredakteur Jan Bilalic und wer für den Kreuzberger Galeristen Gerhard Lampersberg?

Mit spitzer Feder pointiert Ainetter den Maschinenraum der Politik, in dem es nur allzu sehr menschelt. Mit viel Wortwitz und schlagfertigen Dialogen präsentiert Ainetter eine Version von Politik, die trotz der beiden erwähnten Todesfälle überaus amüsant ist.

Man darf schon jetzt gespannt sein, welchem politischen Thema sich Ainetter in seinem nächsten Fall befassen wird (es wird ja hoffentlich eine Fortsetzung geben?). Dann ist auch dem Kommissar Kolkmann eine größere Rolle bei der Aufklärung weiterer Verbrechen zu wünschen, im aktuellen Fall kommt er leider nur selten im Einsatz und bleibt damit deutlich unter seinen Möglichkeiten.

Fazit: Unbedingte Leseempfehlung für alle, die sich neben einer eingängigen Krimihandlung viel Berliner Lokalkolorit und Einblicke hinter die Kulissen des politischen Betriebs wünschen.  

Nähere Informationen zum Autor und seinen Büchern gibt es hier.

20. März 2026

Lektüretipp: Ein Jahr im Deutschen Bundestag

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Eine interessante und lesenswerte Langzeitreportage bietet das heutige Magazin der Süddeutschen Zeitung. Ein Jahr lang wurden fünf Abgeordnete unterschiedlicher Fraktionen begleitet. Entstanden ist ein spannender Blick in den Maschinenraum der Politik. Wie gestaltet sich Politik im 21. Deutschen Bundestag? Wie gehen die Abgeordneten mit den großen Krisen dieses Jahres um? Und wie verändert sich die alltägliche Beschäftigung mit den großen und kleinen Themen der Politik ? Gegenstand der Reportage ist auch das Verhältnis von Parlament und Regierung, die Krisen und Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten sowie diverse Herausforderungen auf wirtschaftspolitischem Gebiet.

Online zu finden ist der Beitrag hier. Über unsere Universitätsbibliothek ist das Heft kostenfrei zu lesen.

30. Jan. 2026

Neuerscheinung: „Politikberatung“

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Das Feld der Politikberatung hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert und ausdifferenziert. In einem neuen Buch zum Thema zeigt Ulrich Schlie die wichtigsten Hintergründe im Verhältnis von Wissenschaft und Politik auf und stellt vielfältige Tätigkeitsschwerpunkte vor. Durch diesen Fokus auf die praktische Komponente des Themas eignet sich das Buch insbesondere für Studierende der Politikwissenschaft sowie einer Reihe von Nachbardisziplinen. Über unsere Unibibliothek ist das Buch frei abrufbar, Hintergründe zum Buch (einschließlich einer Leseprobe) finden sich hier.

26. Jan. 2026

Neue ZParl 4/2025 erschienen

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Vor wenigen Tagen ist Ausgabe 4/2025 der Zeitschrift für Parlamentsfragen (ZParl) erschienen. Darin finden sich Beiträge über Einstellungen zu Wahlsystemen und spezifischen Reformoptionen der deutschen Bevölkerung, die repräsentative Wahlstatistik zur Bundestagswahl 2025, eine Analyse der Online-Wahlhilfen zur Wahl 2025 sowie zur Kongruenz bzw. Differenz zwischen Wählerschaft und Parteien in besagter Bundestagswahl.

In einem inhaltlichen Schwerpunkt steht die Rolle der Fraktionen im innerparlamentarischen Prozess im Fokus. So beleuchtet ein Artikel deren Rolle in der verfassungsrechtlichen Judikatur. Ein anderer Beitrag thematisiert deren Entwicklung seit 1949. Ein dritter Artikel erläutert die Rolle der Fraktionen im Gesetzgebungsverfahren als „Motor der parlamentarische(n) Demokratie“. Ein vierter Artikel schließlich verortet die Fraktionen innerhalb der „parlamentarischen Vernetzungsstrukturen“ und diskutiert entsprechend einschlägige Probleme und Herausforderungen. Und ein letzter Beitrag behandelt „Grund und Grenzen“ eines Fraktionsbonus im Parteienwettbewerb.

Eine ganze Reihe von Rezensionen aktueller Bücher zu Parlamentarismus, Parteien und Wahlen rundet die Ausgabe ab. Über unsere Universitätsbibliothek ist die Ausgabe kostenfrei zu lesen.

12. Jan. 2026

Buch der Stunde: „Ohnmacht des Völkerrechts“

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Als höchst aktuell erweist sich mit Blick auf das aktuelle Zeitgeschehen eine Neuerscheinung des Rechtswissenschaftlers Christoph Safferling, auf das die Süddeutsche Zeitung heute hinweist. In „“Ohnmacht des Völkerrechts“ thematisiert der Autor die „Rückkehr des Kriegs und der Menschheitsverbrechen“ (so der Untertitel.

Die Rezension in der SZ findet sich hier. Details zum Buch (einschließlich einer Leseprobe) sind auf der entsprechenden Seite des Verlags abrufbar.

5. Jan. 2026

150. Geburtstag Konrad Adenauers

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Am heutigen 5. Januar 2026 wäre Konrad Adenauer 150 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass sind gleich drei neue Biografien erschienen. Neben der Geschichtswissenschaft (und anderen Nachbardisziplinen) sind Leben und Wirken Adenauers auch politikwissenschaftlich interessant. Mit Blick auf dessen Amtszeit hat Karlheinz Niclauß etwa das Konzept der „Kanzlerdemokratie“ für die Bundesrepublik Deutschland entwickelt (auch wenn heute diskutiert werden könnte, ob man mit dem Fokus auf eine einzelne Figur der grundsätzlichen Funktionslogik des politischen Systems der Bundesrepublik als Koordinations- bzw. Konsensdemokratie gerecht werden kann). So oder so lässt sich an Adenauers Beispiel unterschiedlichste Aspekte des „Political Leaderships“ studieren und eine ganze Ära darstellen („Im Anfang war Adenauer“ betitelte der Berliner Zeithistoriker Arnulf Baring sein Buch über Adenauer).

Als einen guten Einstieg in Leben und Werk Adenauers ist – neben den monumentalen Biografien von Hans-Peter Schwarz und Henning Köhler, die allerdings bereits einige Jahrzehnte alt sind – das neu erschienene Buch von Friedrich Kießling zu empfehlen. Kießling lehrt Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Bonn. Der Untertitel „Dreieinhalb Leben“ weist darauf hin, dass die Kanzlerschaft Adenauers in diesem Buch nicht (alleine) im Mittelpunkt steht. Vielmehr wird auch Adenauers Wirken im Kaiserreich, als langjähriger Kölner Oberbürgermeister sowie als Präsident des Preußischen Staatsrates berücksichtigt.

Eine umfangreiche Website zu Leben und Wirken Adenauers ist hier zu finden. Hintergründe (und eine Leseprobe) zum Buch von Kießling sind hier abrufbar. Und bei SpringerLink kann das erwähnte Buch von Niclauß abgerufen werden.

27. Okt. 2025

Neuerscheinung: „Brand New Bundestag“ von Maximilian Oehl

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Seit einigen Jahren versucht die zivilgesellschaftliche Initiative Brand New Bundestag, die Vernetzung zwischen Gesellschaft und Parlament zu verbessern. Nach dem Vorbild der Initiative Brand New Congress, die unter anderem Alexandra Ocasio-Cortez in das US-Repräsentantenhaus brachte, werden junge, diverse Kandidierende aus allen demokratischen Parteien unterstützt. Momenten gehören 23 Abgeordnete dem Bundestag an, die von BNB unterstützt wurden und werden, gemeinsam mit den Landtagen sind es deutschlandweit 43 Abgeordnete. Mit Armand Zorn MdB ist auch ein Abgeordneter dabei, der vor einigen Jahren am Institut für Politikwissenschaft der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg studiert hat.

Der Gründer von BNB, Maximilian Oehl, hat in einem soeben erschienenen Buch die Hintergründe der Organisation näher beleuchtet, zudem skizziert er aus eigener Anschauung die Erfahrung in einem Abgeordnetenbüro und diskutiert aktuelle Herausforderungen, um eine möglichst breite Palette an Themen in die parlamentarische Arbeit einfließen zu lassen.

Details zum Buch gibt es hier, die Internetpräsenz von BNB ist hier zu finden.

6. Okt. 2025

Neuerscheinung: „107 Days“

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Vor wenigen Tagen ist das Buch „107 Days“ der früheren US-Vizepräsidentin Kamala Harris erschienen. Der Titel des Werkes nimmt Bezug auf die Zeitspanne, die ihr nach dem Rückzug Joe Bidens von der Kandidatur der Demokratischen Partei am 21. Juli 2024 bis zum Termin der Präsidentschaftswahl am 5. November 2024 blieb – am Ende, das ist die Hauptaussage des Buches, war die Zeit zu kurz, um eine erfolgversprechende Kampagne ins Werk zu setzen. Was das Buch jedoch höchst interessant macht, sind die Schilderungen des Wahlkampfes hinter den Kulissen: wieviel Zeit in dessen Organisation fließt, etwa in die Vorbereitung einer TV-Debatte, wie man auf Angriffe des Gegners reagiert, wie man die eigene inhaltliche Message trotz Kaltstarts in den Wahlkampf zu schärfen versucht und wo innerhalb des Teams zentrale Strategien diskutiert und entschieden werden. Lesenswert ist das Buch nicht zuletzt deshalb, weil Harris an vielen Stellen auf vorherige Erfahrungen, etwa aus ihrer Zeit als Vizepräsidentin oder als kalifornische Justizministerin, zurückblickt.

Am Ende unterlag Kamala Harris am 5. November 2024 ihrem Republikanischen Gegenkandidaten Donald Trump – „107 Days“ bietet zahlreiche Gründe für diese Niederlage und bleibt nicht zuletzt deshalb auch heute noch von großem Interesse für politische wie für politikwissenschaftliche Beobachter.

15. Sep. 2025

Neuerscheinung: „Rote Linien“

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Heute erscheint mit „Rote Linien“ das neue Buch von Susanne Baer, der früheren Richterin am Bundesverfassungsgericht. Darin blickt sie hinter die Kulissen des Gerichts, erläutert die Arbeitsweise und die Entscheidungsfindung innerhalb des Gerichts und thematisiert auch die Rolle der Verfassungsgerichtsbarkeit im Kontext des bundesdeutschen politischen Systems. Konkrete Kontroversen wie Urteile zum Klimaschutz, zur Migration, zur Coronapandemie oder zum Sozialstaat werden ebenfalls berücksichtigt. Gerade durch die Schilderungen eigener persönlicher Erfahrungen stellt das Werk eine hilfreiche Ergänzung zu den zahlreichen rechts- und politikwissenschaftlichen Fachpublikationen zum Gericht dar. In einer ganzen Reihe von Lehrveranstaltungen wird das BVerfG auch bei uns am Institut thematisiert – in Zukunft sicherlich auch auf der Basis der „Roten Linien“ von Susanne Baer.

8. Sep. 2025

Zum Thema politischer Rücktritte

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Rücktritte von politischen Ämtern zählen in der Regel nicht zu den absolut zentralen Untersuchungsgegenständen der Politikwissenschaft. Dort geht es viel eher um die Frage, wie man in ein politisches Amt gelangt und was man in diesem Amt unternimmt. In der einen oder anderen Lehrveranstaltung der vergangenen Semester stand das Thema der politischen Rücktritte gleichwohl auf der inhaltlichen Agenda. Ein neues Buch von Manuel Becker, Volker Kronenberg und Christopher Prinz (Hrsg.) zum Thema beleuchtet diesen Untersuchungsgegenstand ausführlich, vergleichend und anhand einer Reihe von Fallbeispielen.

Nach einigen Grundlagenkapiteln (zu Rücktritten in rechtlicher Sicht, als Gegenstand politischer Kommunikation, als Teil eines Krisenmanagements, etc.) geht es um „Rücktrittskulturen im Vergleich“, etwa mit Blick auf die „alte“ Bundesrepublik, die DDR, Großbritannien, Frankreich und die Vereinigten Staaten, aber auch in Nordrhein-Westfalen. Die Fallbeispiele schließlich thematisieren die Rücktritte von Rudolf Seiters, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Oskar Lafontaine und Franziska Giffey, bevor ein vergleichender Blick auf die Ministerentlassungen von Rudolf Scharping und Norbert Röttgen gerichtet wird.

Das gesamte Werk ist über SpringerLink hier zu finden. Einer ausführlicheren Beschäftigung mit diesem Thema in zukünftigen Lehrveranstaltungen dürfte damit nichts mehr im Wege stehen.


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