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4. Sep 2010

Ein „Löwe des Senats“: Robert C. Byrd gestorben

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In den deutschsprachigen Medien ging es (fast) unter, aber als am 28. Juni 2010 der Tod des amerikanische Politikers Robert C. Byrd im Alter von 92 Jahren öffentlich wurde, ist nicht nur der Senator von West Virginia gestorben, sondern auch ein „Löwe des Senats“, wie man die großen, herausragenden Persönlichkeiten im US-Kongress nennt (mit Edward M. Kennedy war nur wenige Monate zuvor ein anderer „Löwe“ gestorben). Jetzt, in der vorlesungsfreien Zeit, lohnt sich ein ausführlicherer Blick auf Leben und Werk von Robert Byrd.

Als Robert Byrd im Juni 2010 starb, war er das Kongressmitglied mit der längsten Amtszeit in der US-Geschichte. Im Jahre 1917 geboren,war er seit 1959 ununterbrochen Mitglied des Senats, zuvor hatte er bereits sechs Jahre im Repräsentantenhaus verbracht. Insgesamt elf Präsidenten hat er im Amt erlebt, von Ike Eisenhower bis Barack Obama. Zugleich füllte Byrd in dieser Zeit eine Vielzahl von Funktionen im Senat und in seiner Demokratischen Fraktion aus, etwa als Minority Leader, als Majority Leader und als Vorsitzender unterschiedlicher (Unter-)Ausschüsse.

Beruflich war Byrd als Tankwart, als Verkäufer in einem Tante-Emma-Laden und als Schlachter tätig, bevor er im Jahre 1946 im Parlament von West Virginia seine politische Karriere startete. 1952 gewann er dann ein Mandat im Repräsentantenhaus in Washington.

Robert Byrd war der Politiker mit dem größten Wissen über die Geschichte und die Regeln des Senats. Natürlich setzte er dieses Wissen immer wieder im Sinne seines Heimatstaats West Virginia ein, etwa, wenn es um Gelder für wissenschaftliche Einrichtungen, Unternehmen, Verkehrsprojekte und andere Infrastrukturmaßnahmen ging. Konsequenterweise gibt es heute in West Virginia zahlreiche Einrichtungen wie Schulen, Kliniken und Forschungseinrichtungen, die den Namen Robert C. Byrd tragen.

In den 1980er Jahren begann Byrd im Plenum des US-Senats – übertragen vom damals ins Leben gerufenen Kabelsender C-SPAN – mit einer Reihe von öffentlichen Reden zu Geschichte und Gegenwart des US-Senats. Diese Reden wurden später als vierbändiges Werk publiziert und gelten noch heute als Standardwerk zum US-Senat.

Öffentlich zu Wort meldete er sich auch auf dem Höhepunkt des War on Terror mit dem Buch „Losing America: Confronting A Reckless and Arrogant Presidency“ zu Wort, in dem er die Präsidentschaft George W. Bushs, insbesondere den Krieg im Irak, heftig kritisierte.

Schließlich war Byrd ein leidenschaftlicher und talentierter Geigenspieler. Mit diesem Instrument bestritt er so manchen Wahlkampf und veröffentlichte im Jahr 1978 sogar eine eigene Platte. Zudem fungierte er als fiktionale Vorlage für die Rolle des Senats-Mehrheitsführers im Kriminalroman „Should We Tell the President?“ von Jeffery Archer.

Mehr über Robert Byrd inklusive eines ausführlichen Nachrufs, weiterer Zeitungsberichte, Videos und Fotogalerien erfahren Sie auf der Themenseite der New York Times:

http://topics.nytimes.com/top/reference/timestopics/people/b/robert_c_byrd/index.html?scp=1-spot&sq=robert%20byrd&st=cse

Über Michael Kolkmann

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