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17. Aug 2011

Lektüren: „Home Style“ von Richard Fenno

Verfasst von

Wie nehmen Repräsentanten die von ihnen Repräsentierten wahr? Auf welche Weise interagieren Abgeordneten mit ihrer Wählerschaft? Diesen Fragen geht der amerikanische Politikwissenschaftler Richard Fenno in seinem Buch „Home Style – House Members in Their Districts“ nach. Das Buch ist bis heute ein Meilenstein der amerikanischen Politikwissenschaft. Der Hallenser Politikstudent Markus Wegewitz hat das Buch gelesen.

Das hier vorzustellende Buch erschien in der ersten Auflage bereits 1973. Die von mir gelesene zweite Fassung enthält zusätzlich ein kurzes Vorwort, aber keine inhaltlichen Änderungen. Als Richard Fenno vor 41 Jahren mit der Arbeit an „Home Style“ begann, stellte sich für ihn am Anfang eine Frage der Perspektive. Bis zu jenem Zeitpunkt wurden die Mitglieder des US-Kongresses meist mit den Augen zahlreicher Politologen, Lobbyisten oder Journalisten bei ihrer Arbeit in Washington beobachtet. Im Gegensatz dazu betrachtet der Verfasser vorwiegend den Wahlkreis, und zwar aus dem Blickwinkel der einzelnen Abgeordneten. „[S]oaking and poking – or just hanging around“ ist daher die Methode der Wahl. Das verwendete empirische Material, das der Autor im Zuge zahlreicher Reisen sammeln konnte, ist, dem qualitativen Design der Studie entsprechend, umfangreich.
Im Mittelpunkt der Auswertung steht die Heuristik, mit der die eigene Wählerschaft von den Abgeordneten wahrgenommen wird, und die Presentation of Self der Abgeordneten (E. Goffman). Alle Personen in Fenno’s Sample sind anonymisiert dargestellt: es klingt dann leicht kryptisch, wenn Congresssman C über die Probleme von Alpha County spricht. Dennoch erhält sich eine der großen Stärken des Autors: die Selbstdarstellung der Abgeordneten authentisch abzubilden. Der Text enthält eine enorme Menge an (ausführlich zitiertem) Quellenmaterial, die dem Buch stellenweise einen explorativen Charakter gibt.
Bei der Lektüre erwies sich das letzte Kapitel (Notes on Method) als besonders interessant. Neben der pointierten Verortung des eigenen Standorts findet man hier die Begründung zur Integration der oft als zu soziologisch betrachteten teilnehmenden Beobachtung in das methodische Instrumentarium der Politikwissenschaft. Auch in diesem Sinne betrat Fenno mit dieser Studie Neuland – und bisher haben es nur wenige geschafft ihm nachzufolgen.
Zum Schluss: Im APSR erschien 1977 ein Aufsatz zum Thema des Buches. Wer einen Eindruck von Fennos Arbeit gewinnen will findet das Dokument bei JSTOR (MARKUS WEGEWITZ).

Fenno, Richard F. Jr. (2003): Home Style. House Members in Their Districts, New York u.a.: Longman, 304 Seiten, €46,10 (gibt es übrigens auch in der Sowi-Bibliothek der MLU).

Über Michael Kolkmann

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