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3. Okt 2021

Neue Lektüre zur Geschichtspolitik

Verfasst von

Wie soll man mit den Erbschaften eines früheren Regimes umgehen? Welche Wirkungen kann dieses Erbe für ein neues politisches System entfalten? Und wer kann oder soll auf welche Art und Weise Geschichts- und Vergangenheitspolitik betreiben? Diese und andere Fragen standen im abgelaufenen Sommersemester im Mittelpunkt eines ganzes Seminars des Aufbaumoduls Systemanalyse und Vergleichende Politikwissenschaft, können aber auch für andere Lehrveranstaltungen und Untersuchungsgegenstände eine interessante Eigendynamik entfalten. Bislang ist dieses Thema vor allem aus kulturwissenschaftlicher Perspektive beleuchtet worden, mehr und mehr nimmt sich auch die Politikwissenschaft, etwa im Rahmen der Transformationsforschung, dieses Themas an. In den vergangenen Tagen sind gleich zwei neue Publikationen zur Geschichts- bzw. Vergangenheitspolitik erschienen: die von der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) herausgegebenen Zeitschrift „Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ)“ widmet eine komplette Ausgabe dem Themenkomplex „Geschichte und Erinnerung“ (und kann hier im Volltext abgerufen werden). Und in der aktuellen Ausgabe der geisteswissenschaftlichen Zeitschrift Merkur (Nr. 869 vom Oktober 2021) widmet sich eine der bekanntesten Autorinnen auf diesem Feld, die Konstanzer Anglistin Aleida Assmann, der Frage: „Wie viel Geschichte braucht die Zukunft?“, während der Osteuropahistoriker Martin Schulze Wessel, ebenfalls in Antwort auf Sebastian Conrad, die Singularität des Holocaust in den Blick nimmt. Mit ihrem Essay schließt Assmann an einen im August ebenfalls im Merkur erschienenen Beitrag von Sebastian Conrad („Erinnerung im globalen Zeitalter“) an, mit dem er in eine Debatte eingriff, die von manchen bereits als „zweiter Historikerstreit“ (auf diese Stimmen verweisen die Herausgeber des Merkurs in ihrem Vorwort) bezeichnet worden ist: „im Kern geht es dabei um die Frage, ob Ansprüche der Erinnerung an die rassistischen verbrechen des Kolonialismus in Konkurrenz zur Erinnerung an den Holocaust treten“ (S. 3). Details zum Heft, das es in Kürze in unserer Fachbereichsbibliothek geben sollte, sind hier zu finden.

Über Michael Kolkmann

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