In der Bildungsforschung ist der Name John Hattie eine Marke. Sein Buch „Visible Learning“ (auf Deutsch: „Lernen sichtbar machen“) fungiert inzwischen als Klassiker und ist von vielen Bildungseinrichtungen in Deutschland rezipiert worden. Der Augsburger Professor Klaus Zierer hat nun unter dem Titel „Hattie für gestresste Lehrer“ eine Kurzversion des Buches vorgelegt, in dem die wichtigsten Erkenntnisse Hatties zusammengefasst sind. Im Vorwort des Buches schreibt Mathias Brodkorb, Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern: „Der deutsche Hattie-Übersetzer Klaus Zierer legt eine komprimierte Übersicht über Hatties Forschung vor, die es vor allem auch im Berufsleben stehenden Lehrkräften ermöglichen soll, sich schnell einen fundierten Überblick über die aktuelle bildungswissenschaftliche Debatte zu verschaffen. Das Buch kann dabei sowohl als eine Einführung in das Denken Hatties als auch als ein Kommentar zu seinen großen Studien gelesen werden. Zierer beschließt den Text schließlich mit einem praxisorientierten Kapitel, dem Lehrkräfte Anregungen und Handlungsempfehlungen für ihren pädagogischen Alltag nach den Erkenntnissen John Hatties entnehmen können.“
Zufällig habe ich drei Exemplare dieses Buches auf dem Schreibtisch liegen und würde diese gerne verschenken. Wenn Sie Interesse haben, melden Sie sich am besten per Email: first come, first serve.
Update, 3. Oktober 2016: die drei erwähnten Hefte sind inzwischen vergeben, aber ich habe weitere Exemplare organisieren können. Weiterhin gilt: first come, first serve…
29. Sep. 2016
Bildungsforschung: „Hattie für gestresste Lehrer“
29. Sep. 2016
BVerfG: eine Institution feiert Geburtstag
In diesen Tagen wird das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe 65 Jahre alt. Das Gericht ist nicht nur die politische Institution in Deutschland, der allen Umfragen zufolge die Bürgerinnen und Bürger das größte Vertrauen entgegenbringen, sondern auch ein Gericht mit einer so großen Bedeutung, dass manche Beobachter nicht von einer Berliner, sondern von einer Karlsruher Republik sprechen. Mehr als 200.000 Verfassungsklagen haben die Karlsruher Richter seither geprüft. Jedes Jahr kommen um die 6.000 neue Verfahren hinzu – Tendenz steigend. Anlässlich des 60-jährigen Jubiläums des Gerichts sind aus politikwissenschaftlicher Perspektive mehrere Standardwerke erschienen (zum Beispiel hier und hier), so dass man bei einer Beschäftigung mit dem BVerfG nicht mehr nur auf juristische Literatur zurückgreifen muss. Aus aktuellem Anlass sei ein kleines Bändchen aus dem Suhrkamp-Verlag zur Lektüre empfohlen: vier junge Staatsrechtslehrer rund um den Berliner Verfassungsrechtler Christoph Möllers beleuchten in diesem Band aus unterschiedlicher Perspektive die Arbeit des Gerichts: es geht um Fragen der verfassungsrechtlichen Legitimation und Legalität, es geht um die konkrete Arbeit des Gerichts in Karlsruhe, und es geht um einige der zentralen Urteile aus den letzten Jahrzehnten. Einige eher skurrile Klagen, mit denen sich das Gericht über die Jahre auseinandersetzen musste, hat der SWR zusammengestellt.
26. Sep. 2016
Lektüretipp: „Regierungssysteme“ von Massing/Varwick
Im Wochenschau-Verlag ist vor einigen Jahren ein schmaler Band erschienen, der sich vorzüglich als Einführung in die (Vergleichende) Regierungslehre eignet. Herausgegeben von Peter Massing und Johannes Varwick, widmen sich in diesem Band mehrere Politikwissenschaftler den unterschiedlichsten Facetten des Themas. Jürgen Hartmann beschäftigt sich in einem ersten Kapitel mit den zentralen Begriffen der Vergleichenden Regierungslehre, bevor Werner Patzelt parlamentarische Systeme vorstellt. Simon Koschut erläutert Strukturen, Akteure und Funktionslogik präsidentieller Systeme, Eckhardt Jesse beschreibt den demokratischen Verfassungsstaat der Bundesrepublik Deutschland zwischen konkordanz- und konkurrenzdemokratischen Elementen. Sven Singhofen beleuchtet unter dem Titel „Demokratien mit Adjektiven, hybride Regime oder elektorale Autokratien?“ Herrschaftsformen in der Grauzone zwischen Demokratie und Diktatur. Zum Abschluss richtet Wilhelm Knelangen seinen Blick auf das Regierungssystem der Europäischen Union. Details zum Buch finden sich hier.
Peter Massing/Johannes Varwick (Hrsg.): „Regierungssysteme. Eine Einführung“, Schwalbach/Taunus 2013, 160 Seiten, 9,80 Euro.
26. Sep. 2016
Vor der ersten TV-Debatte im US-Präsidentschaftswahlkampf
In der kommenden Nacht (für alle Nachteulen: Beginn ist um 3 Uhr deutscher Zeit) kommt es an der Hofstra University auf Long Island (Bundesstaat New York) zur ersten TV-Debatte im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf. Für die Kandidaten stellen die Debatten die letzte und vielleicht entscheidende Möglichkeit im Wahlkampf dar, sich mit ihren politischen Positionen über das Fernsehen an eine breite Öffentlichkeit zu wenden. In den vergangenen Wahlkämpfen schauten zwischen 50 Millionen (2000) und 90 Millionen (1992) Zuschauer die Fernsehdebatten, die für die Kandidaten eine vergleichsweise kostengünstige Gelegenheit bieten, ein maximales nationales Publikum anzusprechen, für dessen Erreichen sie sonst mehrere Dutzend Millionen US-Dollar ausgeben müssten. In diesem Jahr werden bis zu 100 Millionen Fernsehzuschauer alleine in den Vereinigten Staaten erwartet. Moderiert wird die Debatte von Lester Holt von NBC Nightly News. In Deutschland übertragen zum Beispiel die ARD, Phoenix und n-tv die Debatte in deutscher Übersetzung.
Inzwischen herrscht im Präsidentschaftswahlkampf zwischen Hillary Clinton und Donald Trump – wenn man den Umfragen glauben darf – ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Zuletzt hatte Trump den vor einigen Wochen noch deutlichen landesweiten Vorsprung von Clinton aufholen können, mehr noch: in mehreren Schlüsselstaaten scheint Trump in den letzten Tagen mit seiner Gegenkandidatin gleichgezogen zu sein oder sie sogar überholt zu haben. Kurz: der heutigen Debatte könnte eine überragende Bedeutung zukommen. Spannend wird vor allem zu sehen sein, wie Hillary Clinton die Debatte angeht. Wird sie Trump bedingungslos attackieren? Wie geht sie mit seinen Ungenauigkeiten bzw. Lügen um (Details hier; eine Vorschau auf die Debatte gibt es hier)?
David Axelrod, über viele Jahre der engste Berater von Barack Obama, gibt in der New York Times Ratschläge, wie Hillary in der ersten Debatte am besten auftreten sollte. Wie sehr eine solche Debatte ein Spiel mit dem Erwartungsmanagement ist, hat die erste Debatte zwischen Al Gore und George W. Bush im Jahre 2000 gezeigt. Vor der Debatte hängten die Berater Bushs die Erwartungen so niedrig und lobten ihren Kontrahenten derart in den Himmel (Gore sei demnach „der beste Debattierer der Welt“), dass bereits eine halbwegs solide Leistung genügte, um in den Medien Bush als Sieger aus der Debatte hervorgehen zu lassen. Die New York Times wirft einen faszinierenden Blick hinter die Kulissen der damaligen Debatte, und zwar hier.
Am 4.Oktober 2016 findet dann in Farmville (Virginia) die Debatte der beiden Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten, Tim Kaine und Mike Pence, statt. Am 9. Oktober 2016 (in St. Louis, Missouri) und am 19. Oktober 2016 (in Las Vegas, Nevada) folgen dann die beiden letzten gemeinsamen Rededuelle von Hillary Clinton und Donald Trump.
Grundsätzlich wird bei diesen Duellen nichts dem Zufall überlassen. So möchte man vor allem unvorhergesehene Situationen vermeiden. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Performance in den Debatten anschließend noch für längere Zeit Thema im Wahlkampf sein kann. So sehr und so gut die Debatten vorbereitet und durchgeführt werden, vor technischen Pannen sind Veranstalter wie Teilnehmer nicht gefeit. So kam es in der Debatte im Jahre 1976 zwischen Präsident Gerald Ford und seinem Herausforderer Jimmy Carter zu technischen Problemen, woraufhin die Mikrofone ausfielen. Während Techniker auf der Bühne fieberhaft nach der Ursache suchten und sie nach geraumer Zeit endlich fanden, blieben Ford und Carter vor einem Live-Publikum von 70 Millionen Zuschauern angestrengt stehen, da sie fürchteten, ein Hinsetzen werde als Schwäche ausgelegt. So standen die Kontrahenten und schauten bemüht in die Ferne – volle 27 Minuten lang.
21. Sep. 2016
Klaus Harpprecht gestorben
Heute wurde bekannt, dass neben Karl Dietrich Bracher auch der Publizist und Journalist Klaus Harpprecht gestorben ist. Er wurde 89 Jahre alt. Harpprecht wurde in den 1960er Jahren als USA-Korrespondent für das ZDF sowie als Leiter des Fischer-Verlages bekannt. Unter Willy Brandt wechselte er als Chef-Redenschreiber in die so genannte „Schreibstube“ des Bundeskanzleramtes im Bonner Palais Schaumburg. Mit dieser Zeit hat er sich in dem sehr lesenswerten Buch „Im Kanzleramt“ auseinandergesetzt, das interessante Einblicke in den Alltag des Bonner Bundeskanzleramtes sowie ungewöhnliche Perspektiven auf den Amtsinhaber Willy Brandt gewährt. Nach seiner Zeit im Kanzleramt arbeitete Harpprecht wieder als Journalist, seit 1982 von Südfrankreich aus, wo er jetzt auch starb. Nachrufe auf Klaus Harpprecht finden sich auf SPIEGEL Online, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und im Berliner Tagesspiegel.
21. Sep. 2016
Karl Dietrich Bracher gestorben
Im Alter von 94 Jahren ist vorgestern der Zeitgeschichtler Karl Dietrich Bracher gestorben. Über Jahrzehnte hat er als „Pionier der Politikwissenschaft“ (DeutschlandRadio Kultur) die moderne Zeitgeschichtsforschung mitgeprägt, mit seiner 1955 erschienenen Habilitation „Die Auflösung der Weimarer Republik“ hatte er gleich zu Beginn seiner wissenschaftlichen Karriere ein epochemachendes Werk vorgelegt.
Bracher lehrte zunächst an der Freien Universität in Berlin und war dann fast dreißig Jahre lang, nämlich von 1959 bis 1987, Ordinarius für Wissenschaft von der Politik und Zeitgeschichte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Dort hat er in dieser Zeit das politikwissenschaftliche Institut der Universität nicht nur mit aufgebaut, sondern auch über viele Jahre maßgeblich geprägt, die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) nennt ihn in einem Nachruf den „Lehrer der Bonner Republik“. Er blieb zwar stets parteilos, stand jedoch jederzeit als Berater für politisch unterschiedlich geprägte Bundesregierungen zur Verfügung. Zu seinen Schülern gehören unter anderem so bekannte Politikwissenschaftler wie Ulrich von Alemann, Erhard Forndran, Karl Kaiser, Karlheinz Niclauß und Hans Vorländer. Ein Nachruf auf Bracher findet sich neben der FAZ auch auf ZEIT Online.
21. Sep. 2016
25-jähriges Jubiläum der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt
Wie ich leider erst heute erfahren habe, feiert die Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt in dieser Woche ihr 25-jähriges Jubiläum. Dazu sind am neuen Sitz der Landeszentrale in der Magdeburger Leiterstraße 2 vielfältige Veranstaltungen geplant, darunter Filmvorführungen, Vorträge und Diskussionsrunden. Am Montag fand etwa ein „Speeddating“ der etwas anderen Art statt: Jugendliche kamen in diesem Rahmen mit Landtagsabgeordneten ins Gespräch (der MDR berichtet in Bildern und in einem Kurzfilm hier). Am heutigen 21. September 2016 findet als Teil der Feierlichkeiten der Landestag „Schule ohne Rassimsus – Schule mit Courage“ statt. Im Programm der Festwoche heißt es dazu: „Der Landestag bietet Schülerinnen und Schülern des Courage-Netzwerks in 23 verschiedenen Workshops ein breites Angebot, um über das Thema »Fremd — hier — dabei sein« nachzudenken, neue Erfahrungen zu machen, gute Ideen kennenzulernen und sich mit anderen Jugendlichen auszutauschen. Musik, asiatische Kampfkunst und ein echter Breakdance-Weltmeister schaffen Glanzlichter auf der Bühne.“ Das komplette Programm der Woche findet sich hier.
18. Sep. 2016
Filmtipp: „Die Gewählten“ jetzt auf DVD
Im letzten Wintersemester stellte die Hallesche Filmemacherin Nancy Brandt ihren Film „Die Gewählten“ über Neulinge im Deutschen Bundestag bei uns an der Martin-Luther-Universität vor – noch bevor der Film damals ins Kino kam. Inzwischen ist die DVD des mit dem Bayerischen Kulturpreis 2015 ausgezeichneten Films im Handel erhältlich, und nach einem erneuten Anschauen des Films kann ich nur bestätigen, dass es sich dabei um einen sehr interessanten, akkuraten und aufschlussreichen Film über die tägliche Arbeit von Parlamentsabgeordneten handelt, der viele durchaus politikwissenschaftliche Fragestellungen aufgreift – etwa zum Selbstverständnis der Abgeordneten, zum Verhältnis von Fraktion und Partei bis hin zur im Detail dargestellten Ungewissheit, ob man bei der nächsten Wahl wieder aufgestellt wird. In mehreren Lehrveranstaltungen des bevorstehenden Wintersemesters werden wir auf den Film zurückkommen und ihn sicherlich im Rahmen dieser Veranstaltungen zur Aufführung bringen. Zur Einstimmung gibt es hier einen Trailer zu sehen, Details zum Film gibt es darüber hinaus hier.
Nancy Brandt: „Die Gewählten. Vier Jahre im Bundestag“, Produktionsjahr: 2015, 102 Minuten, ohne Altersbeschränkung, 14,90 bzw. 16,90 Euro, erhältlich bei Silvercine und Amazon.
15. Sep. 2016
Neuerscheinung: „Politikwissenschaftliche Passagen“
Seit mehreren Jahrzehnten diskutieren Politikwissenschaftlerinnen und Politikwissenschaftler nicht nur über Wahlen, Parteien, Regierungsstile und Politikfelder, sondern auch über das Fach selbst. Wo im universitären Kanon findet das Fach seinen Platz? Wie grenzt es sich von verwandten Disziplinen ab? Was ist der Kernbestand politikwissenschaftlicher Forschung? Um diese Fragen dreht sich ein neu erschienener Sammelband, der vor wenigen Wochen unter dem Titel „Politikwissenschaftliche Passagen“ auf den Markt gekommen ist. In der Verlagsbeschreibung zum Buch heißt es: „Die Politikwissenschaft in Deutschland steht regelmäßig in der Kritik. Sie gilt als zu szientistisch, methodenverliebt, theorielastig und selbstreferentiell. Was wisse die Politikwissenschaft eigentlich noch über Politik zu sagen und wie nimmt sie ihre öffentliche Rolle wahr? Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite steht ein fest an den Universitäten verankertes Fach, das sich selbstbewusst präsentiert und internationales Renommee genießt. Angesichts einer solch spannungsreichen Ausgangslage sucht dieser Band einen Beitrag zur Standortbestimmung der deutschen Politikwissenschaft zu leisten.“ So schreibt der Herausgeber Alexander Gallus über das Verhältnis von Geschichts- und Politikwissenschaft („Prekäre Nachbarschaft“), Manfred G. Schmidt widmet sich den „Krisentheorien der Demokratie“ und Frank Decker erörtert unter dem Titel „Demokratie ohne Wähler, Politik ohne Bürger“ aktuelle Herausforderungen der Politikwissenschaft. Uwe Backes beleuchtet die Herausforderungen der politikwissenschaftlichen Extremismusforschung, Eckhardt Jesse stellt unterschiedliche politikwissenschaftliche Schulen in Deutschland vor („Freiburg, Köln, Marburg“) und Klaus von Beyme beschäftigt sich mit dem symbiotischen Verhältnis von politisierender Religion und säkularisierender Politik. Das Buch steht in unserer Fachbereichsbibliothek als Online-Version zur Verfügung. Unbedingte Empfehlung!
14. Sep. 2016
Bildungsbarometer 2016 des ifo-Instituts veröffentlicht
Bereits zum dritten Mal hat das Münchener ifo-Institut sein so genanntes Bildungsbarometer veröffentlicht. Darin werden die Einstellungen der Deutschen gegenüber ihrer Bildungslandschaft gemessen. Interessant bei der Auswertung ist die getrennte Darstellung der repräsentativen Ergebnisse und Bürger und Pädagogen. Auffälliger Befund: Je mehr die Befragten persönlich mit einer Schule zu tun haben, desto positiver ist das Urteil. Und: Lehrer bewerten Schulen insgesamt schlechter, Schulen vor Ort aber besser als die Bevölkerung. SPIEGEL Online hat Details zu der genannten Befragung, erste Ergebnisse der Studie selbst können hier abgerufen werden.

