Im Jahre 2009 erstmals erschienen, hat sich das Buch „Einführung in die Politikwissenschaft“ von Bernauer, Jahn, Kritzinger, Kuhn und Walter schnell zu einem Standardwerk für das Studium der Politikwissenschaft entwickelt. Im Mittelpunkt der Darstellung stehen neben den zentralen Akteuren und Institutionen unterschiedlicher politischer Systeme (Deutschland, Österreich und die Schweiz stehen dabei in besonderem Maße im Fokus) auch zentrale Definitionen von Politik und Politikwissenschaft sowie wichtige Informationen zum konkreten Forschungsprozess innerhalb der Politikwissenschaft.
Vor wenigen Tagen ist das Werk nun mit der fünften Auflage in einer stark überarbeiteten Ausgabe erschienen. Details zum Buch einschließlich einer Leseprobe finden sich hier. Und auf dieser Seite gibt es ein Glossar mit zentralen politikwissenschaftlichen Konzepten und Begriffen, Testfragen sowie weiterführenden Informationen rund um die Untersuchungsgegenstände des Buches.
Update, 15. September 2022: eine ausführliche Rezension des Buches ist seit heute hier zu finden.
Thomas Bernauer/Detlef Jahn/Sylvia Kritzinger/Patrick M. Kuhn/Stefanie Walter: Einführung in die Politikwissenschaft, Studienkurs Politikwissenschaft, 5. umfassend überarbeitete Auflage 2022, Baden-Baden: Nomos-Verlag, 598 Seiten, 26,00 Euro, ISBN: 978-8487-7938-3.
In der heutigen Ausgabe der Wochenzeitung Die ZEIT findet sich ein Angebot, das sicherlich für alle Studierende im Lehramt interesant sein dürfte, die im Rahmen von Schulpraktika etc. vor Ort in der Schule aktiv sind oder die ihr Studium bereits abgeschlossen haben und beruflich in der Schule zu tun haben. Angesichts der auch und gerade für Schülerinnen und Schüler schwierigen aktuellen Situation (Ukraine-Krieg, Klimakatastrophe, Zukunftssorgen, etc.) und um sich dementsprechend breit und umfassend bilden zu können, stellt der ZEIT-Verlag ein befristetes, aber kostenloses digitales ZEIT-Abo zur Verfügung. Das Abo läuft nach zehn Wochen automatisch aus; es entstehen keine Kosten. Anmelden können sich Lehrkräfte mit ihren Klassen hier.
Hauptstädte erfüllen in der Politik in der Regel zwei unterschiedliche Funktionen: zum einen bieten sie einen ganz realen Ort, damit Politik überhaupt stattfinden kann. Zum anderen bieten sie einen symbolischen Ort für das Selbstverständnis von Bürgerinnen und Bürger sowie ihre politischen Repräsentanten/innen. Gleiches ließe sich für Plenarsäle sagen: hier finden ganz real politische Debatten und Entscheidungen statt. Und sie symbolisieren in a nutshell die Grundprinzipien eines politischen Systems, etwa im Hinblick auf das Verhältnis von Parlament und Regierung (was allein schon in der unterschiedlich ausgeprägten Sitzordnung zum Ausdruck kommen kann). Über einen zentralen Bestandteil von Plenarsälen, nämlich die Regierungsbank im Parlament, hat der Rechtswissenschaftler Christoph Schönberger (Universität Köln) unter dem Titel „Auf der Bank“ ein äußerst interessantes und lesenswertes Buch veröffentlicht. Darin geht es nicht nur um konkrete Plenarsäle, etwa im Kaiserreich, in der Bonner Republik und im Berliner Reichstagsgebäude, aber auch in Italien und Großbritannien. Sondern es werden zugleich grundlegende (man könnte sagen: politikwissenschaftliche) Bestimmungsfaktoren deutlich, etwa zur Rolle der Regierung im politischen System sowie zu ihrem Selbstverständnis gegenüber dem Parlament.
Schönberger betont einleutend, dass der Plenarsaal „mehr als eine nur bautechnische Herausforderung [ist]. Die jeweilige Verfassung verdichtet sich vielmehr in diesem Raum und wird dort anschaulich. Die Topographie des Plenarsaals ermöglicht physisch das parlamentarische Geschehen und prägt zugleich die Vorstellungen, welche sich Teilnehmer und Zuschauer davon machen“. Und er ergänzt: „Will man der Gefahr der Überinterpretation entgehen, bedarf der jeweilige Plenarsaal einer historisch-komparativen Analyse, die ihn als physischen Raum im Kontext der Praktiken und Deutungen seiner Nutzer und Beobachter versteht. In jedem Fall gestalten parlamentarische Sitzungssäle die politische Interaktion mit und geben dieser gerade durch deren konkrete räumliche Gestaltung eine symbolische Form“.
Um langfristige Prägungen eines politischen Systems bzw. einer Gesellschaft zu verstehen, so schreibt Schönberger weiter, bedarf es „eines Vergleichs des deutschen Arrangements mit den Plenarsälen anderer Demokratien, einer Analyse der Entwicklungsgeschichte der deutschen Regierungsplätze und nicht zuletzt einer Beobachtung ihrer heutigen praktischen Nutzung. Der genauere Blick auf die Sitzordnung im Plenarsaal ermöglicht eine gleichsam taktile Erfassung der spezifisch deutschen Traditionslinien und Verhältnisse. In der parlamentarischen Raumordnung treten Eigenheiten und Merkwürdigkeiten der Demokratie in der Bundesrepublik besonders hervor und werden im wörtlichen Sinne greifbar“.
Auf der Seite des C. H. Beck-Verlages gibt es weitere Informationen zum Buch, eine umfangreiche Leseprobe eingeschlossen. Zu finden ist das Werk hier. Das Buch ist bereits für unsere Universitätsbibliothek bestellt.
Christoph Schönberger: „Auf der Bank. Die Inszenierung der Regierung im Staatstheater des Parlaments“, C. H. Beck Verlag, München 2022, 282 Seiten, 28,00 Euro, ISBN 978-3-406-79159-8.
Bundeskanzler bzw. -kanzlerinnen gehen in der Regel mit einem Amtsbonus in die nächste Wahl. Die Bundestagswahl 2021 stellte diesbezüglich eine Ausnahme dar, weil erstmals kein/e Amtsinhaber/in zur Wiederwahl antrat. Gibt es einen solchen Amtsbonus aber auch für die Landesebene? Diese Frage offenbart eine beträchtliche Forschungslücke in der politikwissenschaftlichen Regierungsforschung. Franziska Carstensen, Jakob Hirn und Kevin Settles vom Berliner Institut für Parlamentarismusforschung (IParl) haben dazu jüngst die Landtagswahlen der vergangenen 31 Jahre ausgewertet. Die Ergebnisse der Studie lauten zusammengefasst: „Im untersuchten Zeitraum stellte der Amtsverlust amtierender Regierungschefs eine Ausnahme dar. Ministerpräsidenten hielten sich demnach länger im Amt als Koalitionen auf Landesebene. Darüber hinaus war es für die nachfolgende Parlamentswahl potentiell eine Bürde, wenn Ministerpräsidenten während einer Wahlperiode vom Landesparlament ins Amt gewählt wurden. Bemerkenswert ist, dass Landesparlamente häufiger während einer Wahlperiode eine neue Person ins Amt wählten als nach einer Landtagswahl“. Im Volltext ist die Publikation hier abzurufen.
Die Washington Post hat heute einen sehr umfangreichen Artikel veröffentlicht, der sich auf mehr als drei Dutzend Interviews mit Gesprächspartnern aus Politik und Militär in den Vereinigten Staaten, in diversen europäischen Ländern sowie in der Ukraine stützt und die Vorgeschichte des russischen Angriffs auf die Ukraine im Detail rekapituliert. Im Mittelpunkt stehen dabei interne Diskussions- und Entscheidungsprozesse der Biden-Administration wie auch interne Prozesse der NATO, bei der mehrere Mitglieder nach den gescheiterten Einsätzen in Afghanistan und im Irak sowie nach vier Jahren Donald Trump im Amt des amerikanischen Präsidenten eine amerikanische Führungsrolle sehr skeptisch beäugten. Berücksichtigung findet auch das oftmals schwierige Verhältnis der Intelligence Community und den politischen Entscheidern in Washington.
Der Bericht stützt sich einerseits auf zahllose Artikel, die bereits in den vergangenen Wochen und Monaten in der Washington Post veröffentlicht worden sind, andererseits sind viele Aspekte und Gesprächsausschnitte mit den erwähnten Gesprächspartnern bislang (noch) nicht öffentlich bekannt waren. Der erste Artikel einer Serie findet sich hier.
Nach jeder Bundestagswahl erscheint in der Regel ein politikwissenschaftlicher Sammelband von Karl-Rudolf Korte (Universität Duisburg-Essen) und anderen mit Beiträgen rund um die Wahl-, Parteien-, Kommunikations- und Regierungsforschung. Naturgemäß erscheint das Werk mehrere Jahre nach einer Bundestagswahl. Der Band zur letztjährigen Wahl ist aber bereits angekündigt, und über SpringerLink sind zwei Beiträge als open access verfügbar. Matthias Degen und Max Olgemöller thematisieren unter der Überschrift „Formen des Informellen“ die Hinterbühneninteraktion zwischen Politikern und Journalisten vor und nach der Bundestagswahl 2021. Und Constantin Wurthmann und Stefan Marschall beschreiben „Kommunikation und Komplexität politischer Informationssuche in der Pandemie“. Zu finden sind die Beiträge hier.
Soeben neu erschienen ist das von Andreas Polk und Karsten Mause herausgegebene Handbuch Lobbyismus. Auf der Verlagsseite heißt es: „Dieses Handbuch bietet einen umfassenden und multidisziplinären Überblick über den aktuellen Stand der Lobbyismusforschung. Es handelt sich um das erste Handbuch dieser Art in deutscher Sprache. Das Nachschlagewerk vermittelt theoretische Grundlagen, stellt die wesentlichen Einflusskanäle des Lobbying vor und diskutiert die Möglichkeiten und Grenzen der Lobbyismus-Regulierung.“
Eine Reihe von Beiträgen sind als online first bereits jetzt verfügbar, zum Beispiel zum Grassroots-Lobbying, zur Parteispendenregulierung, zum konstitutionellen Lobbying oder zum Lobbying im Sportbereich. Andere Beiträge befassen sich mit Lobbying und Sozialen Medien, Lobbyismus aus kommunikationswissenschaftlicher, rechtlicher und politikwissenschaftlicher Perspektive, Lobbyismus in verschiedenen ausgewählten Politikfeldern sowie Lobbyismus in verschiedenen Ländern. Eine Inhaltsübersicht des Bandes ist hier zu finden.
Untrer dem Titel „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ hat die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) heute eine Studie zur Wirkung von Wahlwerbung vorgelegt. Über welche Kanäle nehmen potenzielle Wäherlinnen und Wähler Wahlwerbung wahr? Was bleibt an Informationen hängen? Und welche Kanäle erweisen sich für Parteien und Kandidierende als effektivste Wege? Diese und weitere Fragen stehen im Mittelpunkt der Studie, für die eine umfangreiche repräsentative Umfrage ausgewertet wurde. Im Volltext abzurufen ist die Untersuchung hier.
Das Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umweltschutz Sachsen-Anhalt möchte eine Referentenstelle (m/w/d) rund um die eigenen „Social Media“-Aktivitäten neu besetzen. Abzurufen ist die entsprechende Ausschreibung hier.
Im Rahmen eines international vergleichenden Forschungsprojektes untersuchen Politikwissenschaftlerinnen und Politikwissenschaftler aktuell den Einfluss der Corona-Pandemie auf die Arbeit der Parlamente. Einer der Organisatoren dieses Vorhabens ist Sven T. Siefken, den der Journalist Sören Christian Reimer von der Zeitung „Das Parlament“ (Ausgabe vom 11. Juli 2022) in einem ausführlichen Gespräch zu den (vorläufigen) Befunden des Projekts befragt hat. Siefken diagnostiziert einen doppelten Schock für die Parlamente: „Bei der Pandemie hatten wir es mit einer Situation zu tun, die plötzlich auf der ganzen Welt unerwartet und fast gleichzeitig aufgetreten ist. Das hat Parlamente überall vor enorme Herausforderungen gestellt. Corona war für sie ein doppelter externer Schock: Zum einen gab es die Notwendigkeit, auf die Pandemie selbst schnell zu reagieren, um die eigene Arbeitsfähigkeit zu sichern. Zum anderen gab es den Schock für die Parlamente, dass nun die Exekutive sehr viel stärker gefragt war.“ Zu finden ist das gesamte Interview online hier.
Auch im Print zu haben: das Interview mit Sven T. Siefken.